Advent – warten

09. Dezember, 2017

?Ich stehe an der Straßenbahnhaltestelle. Es ist kalt. Mit mir warten schon mehrere Leute, stumm, eingepackt in Winterjacke, Schal und Mütze, ein Junge mit den „Stöpseln“ im Ohr, andere aufs Handy schauend. Es kommt ein junger Mann auf uns zu, schaut uns an. Lachend sagt er: „Guten Morgen, zusammen! Das freut mich, Sie alle hier zu sehen. Sie warten. Dann bin ich noch nicht zu spät dran. Die Bahn wird noch kommen.“ Einige schauen auf, die Frau neben mir und ich erwidern den Gruß, der  Junge zieht seine „Stöpsel“ heraus und grinst. Eine Frau sagt: „Ja, sie kommt gleich!“

Als ich in der Straßenbahn sitze, geht mir diese Begegnung noch mal durch den Kopf.

Warten – gemeinsam warten – Zeichen für andere, das da etwas kommen wird. Jeder kann sich anschließen. Und ein Wort bringt für einen Moment eine kleine Kommunikation in Gang, Blicke werden ausgetauscht, man nimmt einander wahr.

Für mich adventliche Gesten. Und während der Weiterfahrt mit der Bahn in die Bochumer Innenstadt, frage ich mich, welche adventliche Zeichen und Symbole mir denn in diesem Advent wichtig sind. Neben den Kerzen, dem Lichterschein, der gerade die jetzige düstere, neblige Zeit durchbricht, neben der Musik, die mal einen Moment der Verinnerlichung schenken kann, taucht vor meinem inneren Auge der Stern auf.?

 

Sterne, die angestrahlt werden und so leuchtend einen Weg weisen, mir und anderen.

 

Im sozialpastoralen Brunnenprojekt-Hustadt, in dem ich arbeite, haben wir mit vielen Jugendlichen 60 große Holzsterne erstellt. Wir werden sie in einer kleinen Feier der Begegnung vor Weihnachten in einer Asylunterkunft an die Bewohner in den 60 Containern verteilen. Sterne ein Symbol, das in allen Kulturen und allen Religionen verstanden wird, als Orientierungshilfe, als Zeichen der Hoffnung, dass es weitergeht.

Wir geben die Sterne gerne weiter als adventliches Zeichen auf den, der da kommen wird und uns den Frieden bringt.

Und: Ein Stern –  auch für Sie!

 

Sr. Ulrike Schnürer, Bochum