Nahe unserem Leid

29. März, 2015

Gott ist in Jesus Mensch geworden. Jesus lebt, lernt, liebt seine Mitmenschen, arbeitet, lehrt und leidet am Unrecht wie wir. Doch Tage vor seinem gewaltsamen Tod am Kreuz wird deutlich: Politisch und religiös gesehen bleibt Jesus vielen Menschen damals total zweifelhaft: Ist Jesus der erwartete Messias? Vieles deutet daraufhin. Jesu Reden, Handeln und Verhalten weist ihn als Messias aus, was genau so in der prophetischen Schriftrollenliteratur beschrieben ist. „Blinde sehen wieder und Lahme gehen, Taube hören, Tote stehen auf, den Armen wird das Evangelium verkündet“ (vgl. Jes 26,19 ff)
Wie für die Menschen damals stellt sich auch heute die Frage: Wer ist Jesus für mich?
Die liturgische Feier der Karwoche lädt uns ein, immer mehr zu erahnen, wie sehr sich Gott auch in den verschiedenen Momenten des Leidens Jesu tatsächlich ganz und gar in unser Menschsein hineingegeben hat. Kann ich persönlich glauben, dass GOTT sich in Jesus auch den Schmerzen unserer Welt ausgesetzt hat, sich auch dort finden lässt: in meinem Wunden, und den unzähligen Wunden unserer Welt?
Trotz großer Schmerzen, die Jesus in den Tagen vor und bis zu seinem Kreuzestod erlitten hat, bleibt Jesus sich und GOTT – den er als den barmherzig –Liebenden verkündet, treu. Am Kreuz vergibt er. Am Kreuz erlebt Jesus einen Moment innerste Verlassenheit und Trostlosigkeit, den Eindruck – von GOTT getrennt zu sein. Im Schrei „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ äußert sich diese furchtbare Erfahrung und doch gelingt Jesus ein vertrauensvolles Gebet. Er kann sich trotzdem GOTT überlassen „Abba, in deine Hände lege ich meine Geist.“ Als Mensch erhofft Jesus GOTTES Antwort. Ein geistlicher Weg auch für mich, auch für uns, in jeder Dunkelheit und Not?

Sr. Ursula Häntschel, MSsR, München