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Wir laden ein zu Veranstaltungen: Gesprächskreise, Meditationstage, Exerzitienkurse, geistliche Begleitung,…
Wir schätzen die Begegnung mit Menschen und suchen mit ihnen den Austausch über Leben und Glauben.

Aktuelles

Pilgerinnen der Hoffnung

Pilgerin der Hoffnung – in der Begleitung wohnungsloser Menschen

Nein, ich schlafe nicht auf einer Parkbank. Ich war – Gott sei Dank! – auch noch nie in einer Situation, in der es notwendig gewesen wäre, mich mit dem Gedanken zu beschäftigen. Als Sozialarbeiterin in der Wohnungslosenhilfe habe ich jedoch immer wieder mit Menschen zu tun, die solche Situationen durchlebt haben oder nahe dran sind. Warum es so weit gekommen ist – das hat unterschiedliche Gründe. Aber diesen Menschen ist eines gemeinsam: sie sind an einem Punkt angekommen, wo sie die Hoffnung fast aufgegeben haben. Die Hoffnung, dass es auch für sie noch einmal aufwärts gehen kann, dass es ein besseres Leben gibt als das in der Wohnungs- oder Obdachlosigkeit.

Wenn sie dann zu mir oder zu einer Kollegin, einem Kollegen kommen, haben sie schon einen ersten Schritt getan. Und unsere Aufgabe ist, neben allem, was ganz pragmatisch zu tun ist – Anträge stellen, mit Vermietern verhandeln etc. -, ihnen Hoffnung zu geben: Hoffnung auf eine Wohnung, Hoffnung, dass die Schulden zurückgezahlt werden können, die zur Räumungsklage geführt haben – Hoffnung, dass sie eine helfende Hand, ein ehrliches Unterstützungsangebot bekommen. Dass ihnen ein Mensch gegenübersteht, der sie nicht ausnutzt, noch tiefer in die Krise bringt, als sie es ohnehin schon sind.

Gerne versuche ich, den Menschen diese Zuversicht und Hoffnung zu vermitteln. In den meisten Fällen gibt es einen Weg, die Wohnung zu retten oder ihnen zu einer neuen Wohnung zu verhelfen. Wenn die Menschen spüren: da meint es jemand ehrlich mit ihnen, da gibt es einen, dem sie vertrauen können – dann greift dieses kleine Fünkchen Hoffnung, dann sind sie auch bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitzutun, mitzuwirken an ihrer eigenen neuen Lebensperspektive.

So verstehe ich auch das Pilgern: Wenn man miteinander unterwegs ist, gilt es, einander zu stärken, wenn jemand müde wird. Pausen zu machen, stehen zu bleiben, wenn es gerade zu anstrengend ist. Zu ermutigen, wieder weiterzugehen. So will ich Pilgerin der Hoffnung sein!

Sr. Renate Drexler, Wien