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Wir laden ein zu Veranstaltungen: Gesprächskreise, Meditationstage, Exerzitienkurse, geistliche Begleitung,…
Wir schätzen die Begegnung mit Menschen und suchen mit ihnen den Austausch über Leben und Glauben.

Spiritueller Impuls

Weihnachten-2016

Hunger nach einem Wort „nahrhaft wie ein Weizenkorn“ (Andreas Knapp)

„Täglich wächst der Hunger, dass ein Wort geboren werde, nahrhaft wie ein Weizenkorn“. So schreibt der Dichter und Kleine Bruder vom Evangelium Andreas Knapp in seinem Gedicht „krippe“.
(dass ein Licht geboren werde. Ein Adventskalender mit Gedichten von Andreas Knapp, Würzburg 2016)

Wir leben in einer Zeit vieler Worte – gesprochenen und geschriebenen. In einer Großstadt wie Wien, wo ich lebe, liegen massenhaft Gratiszeitungen herum. Wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, sehe ich mich von Menschen umgeben, die auf das Display ihres Smartphones starren und versuchen, die Zeit zu nützen, um all die Botschaften zu lesen, die im Sekundentakt eintreffen. In all dem gibt es durchaus Unterhaltsames und Informatives. Viele Schlagzeilen – gerade in den letzten Wochen – erschüttern uns. Aber wir können durch diese Fülle auch abstumpfen. Und manches sind leere Worte oder respektlose, ja sogar hasserfüllte. Das Lesen all der Nachrichten frisst zuweilen kostbare Lebenszeit. Manchmal sind es mir auch in unseren Kirchen zu viele Wörter, die auf mich einstürzen. Nährt uns diese Wörter-Flut wirklich?

weihnachtenZu Weihnachten feiern wir Jesus Christus, „das Wort, das Fleisch geworden ist“ (Joh 1,14). Er ist das Wort, das unserem Leben Orientierung gibt. Ein Mensch, der unseren Hunger und unseren Durst nach Leben stillen kann. In seinem Leben und seiner Botschaft spricht Gott zur Welt (Hebr 1,2). Und Er, das göttliche Wort in Person, lädt uns ein, selber „nahrhafte“ Worte mit unseren Mitmenschen zu teilen und uns nicht mit leerem Gerede zufrieden zu geben. Worte des Trostes und der Anerkennung, Worte des Glaubens und der Hoffnung, aber auch Worte respektvoller und konstruktiver Kritik und – wo es nötig ist – ein klares, ein prophetisches Wort. Dazu braucht es Beherztheit – in unserer Ordensgemeinschaft und in unseren Familien genauso wie in all den Räumen von Kirche und Gesellschaft, in denen wir uns bewegen. Den Mut dazu will uns die Feier der Geburt Jesu Christi jedes Jahr neu schenken.

Möge das Weihnachtsfest nicht nur durch Weihnachtsbäckerei und Braten nahrhaft sein, sondern uns auch stärken und ermutigen, einander Worte zu schenken, die erlösen, befreien, trösten, sättigen.

Sr. Anneliese Herzig, Wien